ERP CRM PLM

Übernehmen ERP und CRM Teile von PLM?

Prof. Jörg W. Fischer ist der Meinung, dass ERP und CRM zukünftig Teile von dem, was wir heute als PLM kennen, übernehmen werden. Erfahren Sie die Hintergründe.
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Will ERP and CRM usurp PLM? We are facing the future.

Ich glaube, dass ERP und CRM zukünftig Teile von dem, was wir heute als PLM kennen, übernehmen werden. Das zu schreiben, fühlt sich komisch an. Vor wenigen Monaten hätte ich es für Nonsens gehalten. 

Nun, wie komme ich dazu? 

Mit der Ankündigung der Zusammenarbeit zwischen Siemens Digital Industries Software und SAP im Bereich PLM habe ich mich mit der PLM/ERP-Kopplung intensiv beschäftigt. Zu Beginn haben wir in Industriediskussionen das Konzept „Part im PLM gleich Material im ERP“ diskutiert. Von den Supply-Chain-nahen Abteilungen kamen dabei zunehmend Fälle, bei denen das nicht richtig ist. Dadurch kam ich dem ERP-nahen PLM auf die Spur. Also, eine Reihe von Themenfeldern, die sich sinnvoll nur ERP-nah lösen lassen. 

Aus strategischen Diskussionen mit dem Top-Management kam zudem vermehrt der Fall CTO+ in Kombination mit Themen wie z.B. fragilen Lieferketten (Resilienz), Produktion im Werksverbund und Sustainability auf. 

Analysiert man diesen Themenverbund genauer, wird deutlich, dass die Fähigkeit der flexiblen Steuerung der Supply Chain durch den Plus-Anteil im CTO+ zunehmend direkt von der Design Chain beeinflusst wird. Die Produktentwicklung wird daher zukünftig viele näher zur Supply Chain und damit ERP-nah auszurichten sein! 

Aktuell kristallisiert sich zudem heraus, dass sich auch in den Domänen CRM/CPQ immer mehr „PLM“-Funktionalität ansammelt. Einige CPQ-Systeme bieten schon zur klassischen High-Level-Konfiguration auch Funktionalität für die Low-Level-Konfiguration an, und in immer mehr CRM-Implementierungen wandert die Angebotserstellung ins CRM. Dadurch verändern sich die klassischen Vertriebspositionen, also „Materialien“, die als Produktumfänge geliefert werden, hin zu vertriebsnahen Semantiken, die einen funktionalen Verkaufsaspekt umfassen. Diesem müssen sich dann die Modulbaukästen zunehmend unterordnen. Durch den Wandel zum CTO+ kommen auch immer mehr Anforderungen an Produkte direkt aus dem Vertrieb. 

Nun, wenn man auf den Markt schaut, ist das, wenn auch weitgehend unbeachtet, schon zu sehen. Letztens hatte ich die Gelegenheit, mit Propel Software zu sprechen. Ein Cloud-PLM-System, implementiert auf der Salesforce-Technologieplattform, weitgehend von Salesforce finanziert und mit einem vertriebsnahen PLM-Ansatz. 

Auch bei SAP (sowohl in Privat- als auch in Public-Cloud) ist das Themenfeld ERP-nahes PLM schon präsent, und es gibt schon eine Reihe spannender und implementierbarer Lösungen. 

Ich denke das ist auch dringend erforderlich!

Wenn es sich auch nur grob so kristallisiert wie hier erläutert, dann werden wir, wie schon beim CRM und ERP, nun auch beim CRM und ERP-nahen PLM zukünftig den eigentlichen Kampf um Marktanteile zwischen Salesforce und SAP sehen. 

Ihr seht für SAP ist es also dringender denn je sich in ihrem eigenen Leistungsspektrum strategisch auf die ERP nahen PLM Aspekte zu fokussieren.

Nun durchaus mutige Thesen die ich da aufstelle. Daher bin ich sehr gespannt auf eure Perspektive dazu und freue mich auf eure Kommentare. 

 

#ERP #CRM #PLM #Innovation #DigitalTransformation #SupplyChain #Sustainability #SAP #Siemens #Salesforce #Technology #FutureTrends #StrategicManagement

ERP CRM PLM CTO+
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Will ERP and CRM usurp PLM? – Part II: Why CTO+ is the driver.

Ich glaube, dass mit der Implementierung des Prozessmusters CTO+ große Teile von dem, was wir heute im PLM verorten, in CRM und ERP übergehen werden.

Der Schlüssel für diese Ansicht liegt im CTO+ und dem Ansatz, den wir den hybriden Baukasten nennen. Mit hybridem Baukasten meinen wir einen Baukasten, der bereits zum großen Teil industrialisiert ist und für eine Supply Chain im Werksverbund ausgelegt ist. Ein solcher hybrider, also zum Großteil bereits vollständig industrialisierter Baukasten, unterscheidet sich grundlegend von dem heutigen vieldiskutierten Ansatz, bei dem von einem reinen Engineering Baukasten im PLM ausgegangen wird, der dann im Auftragsfall aufwendig industrialisiert werden muss.

Der hybride Baukasten ist eine Weiterentwicklung der heute zumeist oftmals vorhandenen Engineering Baukästen. Er ist auf die verteilte Produktion im Werksverbund ausgelegt und kann u.a., Local Content, Local Customization und operational Make or Buy zu handhaben.

Den hybriden Baukasten umzusetzen, erfordert, dass einige Strukturen, die heute oftmals in den PLM-Systemen verortet werden, zukünftig im ERP bzw. CRM/CPQ bzw. im CRM bzw. ERP nahen PLM zu finden sein werden.

Konkret betrifft es die EBOM, Technical Order Structure (TOS), M(RP)-BOM sowie die Digitalen Zwillinge. Auch die Konfiguration wird dann ERP-nah im Auftragsfall durchgeführt, sodass auch der Variantenraum im ERP bzw. im ERP-nahen PLM zugeordnet wird.

PLM-Themen, die zukünftig CRM bzw. CPQ-nah verortet werden können sind z.B. die Hierarchien oberhalb der Produkte sowie die Entwicklung der Produktarchitektur und der Produktbaukästen. Im CTO+ Fall kommen Produktanforderungen verstärkt direkt vom Markt und werden dann in funktionale Merkmale gewandelt. Naheliegend wäre demnach, dass auch diese Aspekte direkt vom Sales in den CPQ/CRM Systemen Eingang finden und von dort über zukünftige CRM-nahe PLM Funktionalität versorgt werden. Heute finden wir bei Kunden oft funktionale, strukturierte Produktstrukturen (EBOMs, CAD-BOM EBOM Mischungen), die von der Quote Position Struktur im CRM geprägt sind.

Was bleibt dann noch den klassischen PLM-Systemen? Nun, was sie schon immer getan haben: Das Integrieren von CAx-Applikationen sowie die Unterstützung des auftragsunabhängigen PLM-Prozesses. Dieser Bereich ist viel größer, als wir heute denken, und viele Themenstellungen dort sind ungelöst.

Es ist also tatsächlich die Frage, ob es für die PLM-Vendoren nicht geeigneter wäre, sich in ihren althergebrachten Bereichen zu verbessern, als wie heute mit nicht hinreichenden Datenmodellen den Versuch zu starten, in die Digital Supply Chain einzudringen.

Nun, hard Stuff. Kann man auch anders sehen. Ich bin gespannt auf eure Kommentare. 

Und wenn ihr euren CTO+ mit hybridem Baukasten umsetzen wollt und Hilfe braucht, meldet euch gerne heute bei uns 👉 STZ-RIM

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