Selbstverständnis Ingenieur

Selbstverständnis Ingenieur blockt Digitalisierung

"We don’t do Mistakes, we make Revisions. We are Engineers." Der Spruch bringt das Selbstverständnis vieler Ingenieure in Perfektion auf den Punkt.

Verhindert das Selbstverständnis von Berufsgruppen die Digitalisierung in Unternehmen?

LinkedIn-Post 1

Letztens bin ich über diesen Kapuzenpullover und die Tasse mit der Aufschrift: „We don’t do Mistakes, we make Revisions. We are Engineers“ gestoßen. Ich fand das so klasse 😊 – ich denke, ich werde einen ganzen einen Schwung Tassen für unser STZ-RIM kaufen.

Dennoch habe ich über den Satz nachgedacht, über das, was er bedeutet.

Er bringt das Selbstverständnis der Ingenieure in Perfektion auf den Punkt. Ich kann mich noch gut an mein Studium erinnern. Der Konstruktionsprofessor hat uns stets darauf hingewiesen, dass wir uns nicht so viel Arbeit machen müssen, z.B. die Lager nur halb zu zeichnen, weil man ja nicht zeichnen müsse was schon klar wäre.

Nun, warum verhindert das Digitalisierung?

Ganz einfach: Dieses „Lazy“-Verhalten in der Entwicklung impliziert den Anspruch, dass Menschen in den Folgeprozessen die Information eben richtig interpretieren. Das bedeutet man hat klar den Anspruch notwendige Informationen eben nicht präzise zu dokumentieren und vollständig zu pflegen.

Das bedeutet gleichzeitig, dass man es darauf anlegt, dass Dinge später in der Produktion gefixt werden müssen!

So ist z.B. der Satz auf dem Kapuzenpulli mit den Revisionen ist eine klare Aufforderung, den Revisionsmechanismus zu missbrauchen und vom Form Fit Function (F3) abzuweichen!

Interessanterweise passt das perfekt zum Selbstverständnis der Leute in der Produktion.

Sie definieren sich oft darüber, dass sie es noch schaffen, dass alles klappt, trotz widriger Umstände – einfach weil sie Helden sind. Weil sie Helden sein wollen.

Held sein heißt, alles, was vorher nicht richtig dokumentiert wurde durch nacharbeiten, nachfragen, organisieren doch noch hinzubekommen.

Ja, und dann sind da noch die Feen. Die Feen die keiner kennt. Keiner weiß, was sie genau machen. Aufgabe der Feen ist es die Informationen, die die Ingenieure erzeugen, so aufzubereiten, dass sie im ERP überhaupt genutzt werden können. Stammdaten zu pflegen, hinterher zu telefonieren um fehlende Informationen zu bekommen und vieles mehr.

Ich bin davon überzeugt, dass wenn es nicht gelingt, diese Grundeinstellung aufzulösen, Digitalisierung nicht funktionieren wird!

Dennoch der Spruch ist halt klasse und so haben es wir Ingenieure gelernt.

Was meint ihr dazu? 🤔

Was ist eurer Meinung nach notwendig, das Grundverständnis zu ändern?

Was meint ihr, was in vielen Unternehmen noch zur Digitalisierung fehlt? 

Nun, und wenn ihr Unterstützung bei der Digitalisierung eures Unternehmens und auch bei Change Management braucht, meldet euch noch heute bei uns vom STZ-RIM. 💡🚀

 

#Digitalisierung #ChangeManagement #Engineering #Innovation #Teamwork

Selbstverständnis Ingenieur

Engineers make no mistakes! – They make revisions. 😎

LinkedIn-Post 2

Warum das klassische Selbstverständnis der Ingenieure mit dem Aufkommen von CTO+ nicht mehr haltbar ist. 

Ich ändere was und mache mal eine Revision, es passt zwar nicht ganz, aber ich lasse es mal unter derselben Nummer. 

Die Revision der klassischen Zeichnung ist seit vielen Jahren ins PDM/PLM gewandert. Mal schnell eine Revision machen, ein Grundsatz vieler Engineeringabteilungen.

Nun, warum geht das bei CTO+ nicht mehr? 🤔 Dahinter steckt der Anspruch an Kompatibilität und Austauschbarkeit von gleichartigen Gegenständen, die gemeinsam in einem Lager geführt werden. Dieser Anspruch reflektiert sich auf die Zeichnung derart, dass eine Revision der Zeichnung und eine daraus abgeleitete Materialnummer nur dann gemacht werden kann, wenn der genannte Anspruch sichergestellt ist!

Dieser Anspruch gilt nicht immer.

Zum einen gilt er nicht, wenn die Zeichnung bzw. das Dokument Downstream nicht weitergegeben wurden. Damit haben Änderungen keine Downstream-Relevanz.

Zum anderen gilt das nicht bei Engineer to order (ETO). Bei ETO wird die Zeichnung typischerweise nur für einen Auftrag erstellt und nur einmal produziert. Oft hat die Materialnummer, die sich ergibt, keine Bedeutung für die Supply Chain, da sie nie im Lager landet.

Mit den Prozessmustern Configure to Order (CTO) und CTO+ wird das anders. Plötzlich steht Wiederverwendung an erster Stelle und der Anspruch an Interchangeability steigt. Damit wird die Einhaltung von Form Fit Function (F3) für die Ingenieure ein Imperativ!

Nun kann man das natürlich je nachdem, welche PDM/PLM Systeme man nutzt, wieder beliebig aufweichen. Haben wir z.B. eine Design-Part-Trennung wie im Teamcenter, dann haben wir eine n:m Beziehung, und beide können einen eigenen Revisionslauf haben. Es wäre damit möglich, auf Design-Ebene ungenau zu sein und auf Part-Ebene explizit (ein Vorgehen, von dem ich normalerweise abrate, weil es zu kompliziert ist).

Daher kommt auch die Forderung (Martin Eigner stellt diese ganz gerne), dass ein Material eine Revision haben sollte. Ich bin der Überzeugung, dass diese Forderung falsch ist.

Es gibt an sich drei Möglichkeiten bei CTO und CTO+:

👉 Ingenieure halten sich sehr strikt an F3

👉 Downstreamprozesse stabilisieren F3 durch Ziehen einer Materialnummer, wenn es nicht passt

👉 Jede Revision ergibt eine eigene Materialnummer

Nun, was meint ihr dazu? Wie man mit der cleveren Gestaltung von F3 die Supply Chain besser steuern kann, findet ihr in unserem Whitepaper.

#Engineering #Innovation #CTOPlus #PDM #PLM #SupplyChainManagement #DesignThinking #ChangeManagement

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